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22. - 23. Mai 2013 / 20:30 Uhr | PERFORMANCE im Rahmen von SEA.SONS
RUBEDO
Performance von Alessandro Pintus / Non Company (IT)
"All beings in life are joined by an invisible thin wire,
in a delicate and precarious balance"
Rubedo ist ein 50-minütiges Tanzsolo, das die Essenz der bisherigen Anstrengungen von Alessandros Pintus´ Erforschung des Butohtanzes darstellt. Es handelt sich um eine Arbeit, die die Philosophie des Butoh in den italienischen Kontext stellt und damit eine Wiederaneignung unseres Körpers und unseres Fleisches durch die Wiedereroberung der Wurzeln unserer Kultur darstellt.
In die Intimität stiller Dunkelheit bricht ein rotes Wollknäuel ein. Musik eines Glockenspiels breitet sich aus. Eine menschliche Präsenz erscheint aus dem Schatten und kaut und schluckt auf allen Vieren vorwärts kriechend einen Faden, der sich vom Wollknäuel abwickelt. Der Faden füttert den Mann und zur selben Zeit verschwindet der Faden in seinem Inneren wie ein obskurer Atem. Im Fluss der Zeit, während das Ausrollens des Fadens, tauchen Bilder auf dem Körper auf, der Leib erinnert sich seiner primitiven Essenz. Eine unablässige sich abwickelnde und einwickelnde Verstrickung in die Fäden des Lebens, bis sich der Körper in einen Kokon verwandelt und in ein früheres, embryonales Stadium zurückkehrt.
Eine unendliche Suche nach dem Ende des Fadens, ein endloser Tanz durch das Zentrum des menschlichen Labyrinths, hoffend auf die Erlösung in einer ganzen Existenz.
Ein Tanz auf der scharfen Kante des Fadens, so fragil wie nur das menschliche Leben sein kann. Ein Tanz in der Balance zwischen Leben und Tod, grotesk und dramatisch. Ein spielerischer Prozess, der den Menschen mit sich selbst und dem Leben konfrontiert, um sich dessen mehr bewusst zu werden.
The shadow is shy, it hides from the body.
Only the brightness of the faultless draws the darkness to the uncovered, inviting it to dance in a daedalus of light.
Rubedo ist die Erinnerung an die Kindheit, ein ursprünglicher Schrei, der den Körper in Stücke reißt und die Seele hilflos zurück lässt. Rubedo ist ein stiller Schrei, der die authentische und dringende Notwendigkeit eines neuen Anfangs beschwört. Ein unabweislicher Weckruf an uns alle, sich an die essentiellen Notwendigkeiten des Körpers und der Seele zu erinnern. Letztlich ist Rubedo eine verzweifelte Botschaft, dass der Geist eines jeden tief durch einen Tanz erschüttert wird, der über der Fragilität von Menschen aufgeht, die sich selbst und ihre Wurzeln vergessen.
In den Worten der alten Alchemie ausgedrückt: Rubedo meint den dritten und letzten Zustand der alchemistischen Transformation, in welchem rohe Materie in Gold verwandelt wird. Metaphorisch gesprochen geht es um den letzten Prozess der Entwicklung und Rückeroberung der wahren und heiligen Natur des menschlichen Geistes.
In der griechischen Mythologie war Ariadne die Bewacherin des Labyrinths von Knossos, das vom König Minos auf der Insel Kreta errichtet worden war. Seine Tochter Ariadne war auch eine Priesterin des heiligen Tanzes, der im Labyrinth abgehalten wurde. Die Legende sagt, dass solche Tänze den Menschen geholfen haben, den Minotaurus in sich selbst zu besiegen. Der rote Faden der Ariadne führt den Menschen zu einem neuem Leben, zu einer neuen Geburt, zu einem neuen Tanz.
In life there are dark sides, thin boundary lines, which go beyond the body, hybrid zones between spirit and matter. Dancing is like trying to portray a ghost from the mirror.
München-Premiere
Tanz und Choreographie: Alessandro Pintus
Originalmusik: Gabriele Quirici
Kostümdesign: Valentina Pintus
Uraufführung: 3. November 2012, Basel
Dauer: 50 Min.
Die Performance findet im Rahmen von Sea.Sons - Butoh Generations Gathering (14. - 26. Mai) statt.
Tickets: € 16.- / ermäßigt € 10.-
Reservierung: 089/650000 (AB) + Online-Reservierung
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