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28. - 31. Juli 2009 / 20:30 Uhr | PREMIERE!
Die Rächer.
Eine Inszenierung von Katharina Herold nach Thomas Middleton.
Tickets zu 9.-/ ermäßigt 5.- sind unter 089/23337083 bei der Otto-Falckenberg-Schule erhältlich.
Süddeutsche Zeitung, 31. Juli 2009
"(...) eine schnörkellose Inszenierung, die Fragen nach Moral und Gerechtigkeit aufwirft, ohne je moralisierend zu sein. Wie ein Uhrwerk tickt die Aufführung dem Blutbad entgegen.
Auf der Suche nach der Radikalität. In einer eigenen Textfassung der jakobinischen Schauerkomödie "Die Rächer" konfrontiert Katharina Herold im i-camp düstere Bühnenwelten mit heutigen Fragestellungen.
"Die Tragödie ist gut," konstatiert die Hauptfigur Vindice, "wenn der Böse blutet." Doch im Stück blutet nicht nur der Böse, Unschuldige wie Verbrecher werden am Hof vergiftet und erschlagen, nach Belieben geopfert. Die Spielregeln dieser Gesellschaft, die sich allein an individueller Lustmaximierung orientiert, sind unsicher geworden. Der Fleischessucht des Dukes fiel auch die Verlobte Vindices zum Opfer. Getrieben vom Traum von einer besseren und gerechteren Welt sinnt der junge Mann zusammen mit seinem Bruder auf Rache und will mit dem Willkürregime abrechnen. Ein ausgeklügelter Kampf gegen das System, dessen grausame Mechanismen er perfektioniert, beginnt. Im Gerechtigkeitsrausch wird er zum Selbstläufer. Wo liegen die Grenzen zwischen Macht und Moral? Ist Gerechtigkeit gerecht, selbst wenn sie verabsolutiert wird?
Das Land ist rauer geworden, stellt die Süddeutsche Zeitung in einem aktuellen Beitrag über Gerechtigkeit in Deutschland fest. Und doch finden sich wenig Indizien für eine Radikalisierung der jungen Generation. Wo bleiben die so oft beschworenen sozialen Unruhen? Sind wir enttäuschungsresistent geworden? Läge die Verantwortung zur Veränderung der Zustände nicht eigentlich bei der jungen, handlungsfähigen Generation? Einer Jugendkultur als Gegenkultur fehlt heute eine konturierte Gestalt des Gegners. Lebens und Kommunikationswelten isolieren den Einzelnen zusehends, Identität ist zu einem Konsumgut verkommen. Im Kontrast zur diffusen Vorstellung der postidealistischen Generation von einer gerechten Welt präsentiert die groteske Renaissancetragödie "Die Rächer" ein klares Feindbild - und somit das Potential zum Handeln. Im Zentrum steht ein junger Mann voller Idealismus und Tatendrang.
Was bleibt von der Radikalität eines jakobinischen Textes? Die Fragen sind die gleichen: Wie weit kann, wie weit muss man gehen im Versuch, aktiv Stellung zu beziehen? Wo genau liegen die Grenzen zwischen Idealismus und Fanatismus? Was kann eine Generation ohne Illusionen radikalisieren?
In einer eigenen Textfassung setzt sich das Team um Regisseurin Katharina Herold mit den Chancen und Möglichkeiten der Konfrontation von altem Text und heutigen Fragen, von theatralem Formenreichtum und vereinzelten Lebenswelten, von Zuschauern und Spielern auseinander.
Regie __ Katharina Herold
Dramaturgie __ Antonia Beermann
Choreographie __ Rudolf Giglberger
Übersetzung __ Katharina Herold und Antonia Beermann
Musik __ Jonas Schmid
Bühne und Kostüm __ Teresa Vergho
Assistenz __ Julia Müller
Mit: Selale Gonca Cerit, Anastasia Papadopoulou, Eike Ahrens, Vladimir Burlakov, Philipp Grimm, Benjamin Holtschke, Martin Liema, Tobias Schormann.
Eine Koproduktion der Otto-Falckenberg-Schule mit i-camp/neues theater münchen
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