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15. - 18. Januar 2009 / jeweils 20.30 Uhr | URAUFFÜHRUNG
'Who the fuck is Jager Gracchus?‘
Monotonien eines Untoten.
Abendzeitung, 17. Januar 2009
"... diffus schrulliger Abend im wohltönenden Niemandsland zwischen Leben und Tod."
Im Rahmen einer konzertanten Berichterstattung führen drei Sängerinnen, drei Musiker, ein ermittelnder Kommentator und ein Visualisierer an Motive, Leerstellen und Fragezeichen, die Franz Kafka mit seinem Fragment ‘Jäger Gracchus’ hinterlassen hat, heran.
Die Sängerinnen sind solistisch Jäger Gracchus, chorisch der Bürgermeister und Stimmungschor. Die Musik schlägt den Bogen von quasi-filmischer instrumentaler Vertonung der Ankunft des Jägers in Riva, Melodram und kleinen Duos bis hin zum finalen “Tango morbido”.
Im 4. Jahrhundert verunglückt der Jäger Gracchus im Schwarzwald auf der Jagd nach einer Gemse tödlich.
Der Spezialist im Wölfejagen freut sich auf die Fahrt in den Hades. Dummerweise verfährt sich sein Bootsmann. So irrt er Jahrtausende über die Weltgewässer.
Irgendwann legt seine Barke in Riva an. Niemand nimmt in mediterraner Siestastimmung Notiz von ihm, ausser dem Bürgermeister, dem er seine fragwürdige Geschichte erzählt …
"Hier liege ich seit damals, als ich, noch lebender Jäger Gracchus, zuhause im Schwarzwald eine Gemse verfolgte und abstürzte. Alles ging der Ordnung nach. Ich verfolgte, stürzte ab, verblutete in einer Schlucht, war tot und diese Barke sollte mich ins Jenseits tragen. Ich erinnere mich noch wie fröhlich ich mich hier auf der Pritsche ausstreckte zum erstenmal, niemals hatten die Berge solchen Gesang von mir gehört, wie diese vier damals noch dämmerigen Wände. Ich hatte gern gelebt und war gern gestorben, glücklich warf ich, ehe ich den Bord betrat, das Lumpenpack der Büchse, der Tasche, des Jagdrocks von mir hinunter, das ich immer stolz getragen hatte, in das Totenhemd schlüpfte ich wie ein Mädchen ins Hochzeitskleid. Hier lag ich und wartete. (...) "
Wer ist oder war dieser Gracchus nun wirklich? Ein Possenreisser und Hochstapler? Ist er vielleicht gar nicht gestorben? Was hat er ausser seiner Todesfahrt je wirklich Grossartiges vollbracht? Möchte man ihm auch mal zu sich einladen oder ist er ein inkomensurabler Unzeitgenosse?
Gesang: Anna-Maria Bogner, Beatrice Greisinger, Mafalda de Lemos
Musiker ( Ensemble piano possibile): Heinz Friedl, Philipp Kolb, Stephan Lanius
Kommentator: Norman Sonnleitner
Visualisierungen / Fotos: Lutz Weinmann
Raum: Manuela Müller
Licht: Rainer Ludwig
Videotechnik: Peer Quednau
Komposition & musikalische Leitung: Alexander Strauch
Szenarium / Regie / Texterarbeitung: Christina Ruf
Mit freundlicher Unterstützung des Kulturreferats der Landeshauptstadt München
Tickets: 16.- / ermäßigt 10.-
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