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11. - 20. September 2003 / jeweils 20.30 Uhr
"nullzunull" - ein Spiel von
Karen Effenberger + Andrea Lesjak
"man tut es nackt, auch im hemd, in jedem Falle leicht geschürzt"
(aus einem Fußballtraktat, um 1580)
Was sonst als Fußball? Wenn die bayerische Landeshauptstadt wegen eines spektakulären Stadionneubaus, wegen der 2006 bevorstehenden Weltmeisterschaft, wegen der alljährlichen Meisterschaften und Pokalgewinne des FC Bayern in pflichtschuldigen Jubeltaumel verfällt, bleibt es in der künstlerischen Szene merkwürdig still. Effenberger + Lesjak jedoch haben sich vorgenommen, diese Barriere niederzureißen. Ihr neues Tanzstück "nullzunull" - ein spiel holt sich vom Fußball die eingefahrenen Riten ebenso wie die festgeschriebenen Regeln, nimmt sich die spielerischen Momente ebenso wie die unvorhersehbaren Glückserlebnisse.
Das Spiel mit und ohne den Ball entsteht aus dem Mit- und Gegeneinander der am Stück beteiligten Kunstsparten, die, wie schon in ihren vorhergehenden Arbeiten, auch in "nullzunull" wieder zusammenkommen: Tanz, Schauspiel, Musik und Bildende Kunst lassen sich auf den Wechsel von Komposition und Improvisation ein. Die Vorlage für dieses Spiel läßt sich im Mannschaftssport Fußball finden. Hier wie dort müssen die Teams ihr eigenes Feld kontrollieren, um mit präzisen Vorstössen in den gegenerischen Raum vorzudringen, um aus dem taktischen Feldvorteil die Torchance sich zu erarbeiten. Die Dramaturgie des Stücks ist an einem Nachmittag im Stadion orientiert. Das Theater wird zum Sportplatz mit all seinen Zutaten: Videowand, Klangtor, Zuschauerränge, Spielerbank, Reporterplatz. Dieses Spielfeld ist offen für freie Interventionen, stellt aber auch den festen Assoziationsrahmen her.
Ein Fußballspiel wird heutzutage jedoch kaum noch in seiner unmittelbaren Form wahrgenommen. Selbst auf dem Dorfbolzplatz werden die Rituale aus der Bundesliga übernommen. Deren mediale Vermittlung bestimmt das Bild. Und so sind auch diese Verschiebungen Bestandteil von nullzunull geworden. Denn auch der Kampf der Medien um die Deutungsherrschaft über das Spiel bietet reichlich Material für das Zusammentreffen der Protagonisten des Stücks. Vom Trainer bis zum Kommentator reißen sie für Momente die Handlung an sich, um gleich wieder im Spielfluß unterzugehen ...
Mit: Karen Effenberger, Andrea Lesjak, Zoro Babel
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