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23. - 24. April 2004 / jeweils 20.30 Uhr
"PROTOKOLL"
Tanzperformance von und mit Dali Touiti
Diese Arbeit von Dali Touiti ist eine sehr persönliche Momentaufnahme. Sie beleuchtet Stationen eines Weges nach Deutschland.
Wo hat er begonnen? Den gegen Widerstände erkämpften Anfängen folgt eine professionelle Tänzer- und Choreographenkarriere. Die Anfänge liegen im Keller eines Kulturzentrums in der Medina von Tunis, wo eine Gruppe von Freunden mit Modernem Tanz beginnt, einer war in Frankreich ausgebildet worden. Sie bilden später den Kern des Balletts am Nationaltheater, das Nawal Skandrani mit ihnen ins Leben rief. Sie kam nach einer internationalen Karriere aus Amerika zurück und wollte in ihrer Heimatstadt in Sachen Tanz etwas aufbauen. Sie "entdeckte" Dali Touiti und begann mit ihm die Ausbildung in klassischem Ballett, die er später in Frankreich fortsetzte. Für die Ausbildung in Modernem Tanz holte sie verschiedene internationale Lehrer für workshops nach Tunis. Nach einem Jahr wird das "Ballet National Tunisien" gegründet, das vom Kulturministerium hervorragende Arbeitsmöglichkeiten erhält, mit internationalen Choreographen arbeitet und auf Tourneen in die Welt geschickt wird.
"Der Anfang als zeitgenössischer Tänzer und Choreograph in Tunesien war nicht einfach, aber dann war es eine wunderbare Zeit, lebendig und inspirierend. Musik und Tanzen gehören bei uns zum Alltag. Aber klassisches Ballett oder gar zeitgenössischer Tanz waren in den Achtzigern noch kein Begriff. Und ein Mann, der so tanzen wollte, war sehr suspekt und mindestens schwul."
Wo ist heute sein Platz als Künstler? Eine Ankunft mit Träumen und Erwartungen. Das Erlernen einer Sprache und trotzdem versagen die Worte. Kommunikation ist mehr.
Erste Projekte in Deutschland. Es begann in Weimar mit der Truppe von Ismael Ivo, die in ihrer letzten Saison einen Grossteil der Energie in gute Trainingsarbeit und workshops investierte. Mit zwei Tänzern von Ivo entstand eine eigene Choreographie.
Wieder ein Neuanfang in München, die Bedingungen sind schwieriger. Profitraining ist rar, Probenräume für eine kontinuierliche Arbeit sind nicht bezahlbar, die Tanzszene hat nicht auf einen Neuankömmling gewartet, Kommunikation und Austausch sind begrenzt. Große Freude über die städtische Förderung im letzten Jahr. Inzwischen sind vier Choreographien hier entstanden, die im theater...undsofort, im Metropoltheater und im i-camp gezeigt wurden.
Wie lebt er heute - in einer anderen Kultur, in einer fremden Gesellschaft? Seine Wurzeln liegen in einer Gesellschaft, in der die Religionen koexistierten. Die Verbindung verschiedener Kulturen erlernt Dali Touiti als natürlich und bereichernd. Sie ermöglicht es, die Dinge aus mehr als einer Perspektive zu betrachten. Trotzdem in München nicht wenige Ausländer leben, gibt es relativ wenig, z.B. authentisch arabisches Leben. Alle versuchen, wenig aufzufallen. Die islamische Welt ist tägliches Thema und doch bleibt sie noch relativ fremd und ist gerade jetzt vornehmlich angstbesetzt. Er spürt ein großes Verlangen nach Offenheit, Kommunikation und Verständnis.
"Es ist derzeit mal wieder nicht einfach, Nordafrikaner zu sein. Man fühlt sich unsicher. Man erlebt wieder die Zurückhaltung beim Gegenüber, wenn man sagt, dass man aus Tunesien kommt. Gleichzeitig gibt es viele, die sich für die arabische Kultur interessieren ..."
Ein innerer Monolog, Bilder, Emotionen - Stillstand, Hoffnungslosigkeit, Wut, aber auch Energie und Lebensfreude, die archaische Kraft des Körpers - nach außen getragen und auf der Bühne in Bewegung übertragen von Dali Touiti und zwei Tänzerinnen.
Tanz: Dali Touiti, Elodie Lavoignat, Martina Mangedoht
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