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08. - 18. März 2007 / jeweils 20.30 Uhr; nicht am 12. + 13. 03.
Holger Dreissig:
18. Stunde: Nähkästchen
Großes Revolutionstheater
Verwaltungsperformance aus der gleichnamigen 24-teiligen Projektreihe.
"Dinge zu benennen oder besser umzubenennen, das ist alles, worum es im Krieg geht." (Stanley Kubrick)
Das Nähkästchen ist die Guillotine. Konsequent ist vom Nähkästchen die Rede, wenn das Schafott gemeint ist. Wir leeren dieses Nähkästchen aus, wodurch auch allem anderen Revolutionsvokabular eine Umbenennung widerfährt. Das Schreckliche und das Harmlose tauschen fortwährend die Plätze.
Wir plaudern aus dem Nähkästchen der Revolution, des Terrors und der Krawalle. Wir lassen die Seele am Galgen baumeln, die Knöpfe rollen und den roten Faden zu Gunsten des Zickzackgummis fallen. Wir machen es uns auf dem Nadelkissen gemütlich, knüppeln Spitzen (der Gesellschaft) und plantschen im Blutbad. Revolution ist eine Kleiderfrage und ganz unsere Kragenweite. Eine Stunde voller Revolutionspathos mit Partisanen im Nagelstudio, Diktatoren im Wahllokal und Halsabschneidern im Biedermeier.
Präzis choreographiert beginnende Szenen, die mehr und mehr tumultieren und in bildsatten Exzessen enden. Revolution nicht national, sondern global gedacht: Hilfe für den "Peinlichen Planeten" kann nur noch von außen kommen. Ein Happy End.
Nähkästchen ist der 18. Teil des 24-teiligen Theaterzyklus Verwaltungsperformance. Verwaltungsperformance beschäftigt sich seit 1992 mit Formzwängen, die unser Leben prägen (gesellschaftliche Regeln, kultureller Kontext, Sprachgebrauch, Tabus, Mode etc.) und begibt sich auf die Suche nach allem, was sich der Verwaltung entzieht (unmittelbare Körperlichkeit, Wahn, Tod, Traum, Schmutz, eksta-tische Zustände, Unorte, Utopien usw.) Verwaltungsperformances waren bisher im Loft, in der Blackbox (Gasteig), im proT, pathosTransport, i-camp, Teamtheater, Kunstverein, Hauptzollamt und im Neuen Haus der Kammerspiele zu sehen.
17. Stunde: Stundenbücher
Einmalig, eine Woche vor dem Nähkästchen, werden am Donnerstag, den 1. März 2007 um 20.30 Uhr in der Müllerstr. 3, die 15 Stundenbücher gezeigt, die seit 1990 parallel zu den Verwaltungsperformances entstanden sind. In den Stundenbüchern sind Tausende von Fotos aus Zeitungen, Büchern, Verkaufskatalogen, Ausrisse aus Verpackungen, Sammelbildchen, Geschenkpapier usw., in wiederkehrenden Motivfolgen nach farblichen, formalen und thematischen Aspekten geordnet und collagiert. "Bilderbücher", die das Leben in all seiner Schönheit und in all seinen Spiel- und Abarten zeigen. Dieses "Weltpanorama" ist eine Bestandsaufnahme und der Versuch, die Bilderflut unserer Mediengesellschaft einzudämmen, bzw. ihr ihre eigenen, oftmals schrecklichen Bilder als "Bannbilder" entgegenzusetzen.
Die Kritikerin Ingrid Seidenfaden schrieb 1993 über die vier ersten Bücher von: "Dreissigs wunderbarem Bildarchiv, eine collagierte Sammlung schöner Schrecklichkeiten - Gesichter, Körper mit und ohne Male, Blicke, Kriechtiere, Knochen, morbidschöne Stoffe".
Eine bespielte und begehbare Installation mit Muriel Aichberger, Nina Forgber, Sarah Kronwitter, Julian Till Ostertag, Eyreen Prochnow, Simone Schirmer, H.30 und anderen.
Holger Dreissig
Geboren 1965 in Frankfurt am Main, lebt in München (und Berlin). Er arbeitet im In- und Ausland als bildender Künstler, Autor und freier Regisseur. Seit 1992 entsteht der 24-teilige Zyklus 1. - 24. Stunde (Verwaltungsperformance). 1995 gründete Holger Dreissig die "Scheinfirma 30" und als eines ihrer Produkte die JEANSGRUPPE, die bisher auf zahlreichen Festivals zu sehen war.
mit: Muriel Aichberger, Nina Forgber, Julian Till Ostertag, Eyreen Prochnow und H.30
Lichtdesign: Susanne Koch
Coaching: Matthias Hirth
Choreografie: Muriel Aichberger, Nina Forgber und H.30
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